• Felix

Warum Consultants nie zu 100% zufrieden sein werden





Consultants geben alles für Ihren Job. Dies hat verschiedene Gründe. Während die einen einfach nur ihr Limit austesten wollen, machen es andere für das gesellschaftliche Ansehen, ihren Lohn, die steile Lernkurve oder gar aus moralischen Beweggründen.


Die hohen Investitionen seitens Consultants haben aber auch zur Folge, dass sie zu der Gruppe von Arbeitnehmenden gehören, welche höchste Anforderungen an ihre Arbeitgeber stellen. Wer nicht befördert wird am Ende des Jahres, keinen Bonus erhält oder sonst nicht bekommt, was er sich wünscht, wechselt rasch zur Konkurrenz. Kurz gesagt – Consultants gehören einer illoyalen und in gewissem Masse elitären Gruppe an, die allerhöchste Freiheiten hinsichtlich ihrer Karriereoptionen geniessen. Den meisten liegt die "Industrie" zu füssen.


Doch nehmen Consultants die Alternative zu einem 8-to-5 Job in der Industrie – den Schritt in die Selbständigkeit – nur selten war. INDICON wollte genauer verstehen, was Consultants einerseits an der traditionellen Beraterwelt stört und warum viele andererseits die Eintrittshürden zum Freelance Consulting immer noch als zu hoch empfinden.


Im Sommer dieses Jahres haben wir dazu über 20 Schweizer Strategie- und Managementberater mittels eines anonymen Fragebogens befragt. Dabei haben wir Berater aus Firmen verschiedener Grössen und Industrien angeschrieben, um ein gutes Gesamtbild zu erhalten.


Die erste Frage lautete folgendermassen:


"Könntest du dir vorstellen, in der nahen Zukunft als Berater/in den Weg in die Selbständigkeit zu gehen?"

Zwei Drittel haben die Frage mit "Ja" beantwortet. Als Hauptmotive, die zum hohen Interesse an der Selbstständigkeit führen, wurden folgende Punkte am meisten genannt (nach Priorität geordnet, beginnend mit dem meist genannten):

  1. Mehr Entscheidungsfreiheit/Flexibilität bzgl. Annahme/Ablehnung von Projekten

  2. Höheres Einkommen realisieren (mehr von dem zu erhalten, was der Kunde eigentlich für mich zahlt)

  3. Als eigener Chef / eigene Chefin mehr Verantwortung tragen


Es bleibt die Frage, weshalb Beraterinnen und Berater von grösseren Consultingfirmen mit ihrem Job oft unzufrieden sind. Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt betrifft das Staffing. Zu oft ist es der Fall, dass man als Berater auf ein Projekt kommt, wo einfach gerade Arbeitskräfte gebraucht werden – unabhängig von den Interessen der Consultants. Vor allem grössere Beratungsfirmen sind grundsätzlich relativ dezentral aufgebaut, was Partnern (zu) viel Entscheidungsmacht zukommen lässt und unvermeidbar zu "Silowirtschaften" führt. Aufgrund der gegebenen Firmenstrukturen ist es leicht nachvollziehbar, warum das Staffing in grösseren Firmen ein zentraler "Pain Point" für Berater/innen darstellt.


Wie kann das Problem gelöst werden? Z. B. über eine angepasste Firmenstruktur, welche die Anreize für Partner neu gestaltet. Dies ist jedoch eine grosse Herausforderung für Firmen, welche seit Jahren nach den selben Regeln arbeiten.


Warum gibt es in der Schweiz trotzdem verglichen zu Ländern wie den USA oder Grossbritannien verhältnismässig wenig selbstständige Berater? Wir haben nachgefragt:


"Was sind die Hauptgründe, weshalb du dich als Berater/in noch nicht selbständig gemacht hast oder ganz von dieser Option absiehst?"

Die von uns befragten Berater gaben folgende Gründe an (nach Priorität geordnet, beginnend mit dem meist genannten):

  1. Ungenügendes Netzwerk, um selbständig an Projekte zu kommen

  2. Ungenügende (fachliche) Expertise, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen

  3. Generell Respekt davor, das stabile Einkommen aufzugeben

  4. Arbeitsbedingungen / "benefit package" beim jetzigen Arbeitgeber (Lohn, Aufstiegschancen, Lernkurve etc.)

  5. Mit der Selbständigkeit verbundener administrativer Aufwand (z. B. Sozialversicherungsabgaben selber zahlen)

  6. Respekt vom hohen Arbeitsaufwand, den die Selbständigkeit mit sich bringen könnte

Punkte 1. und 2. wurden dabei mit Abstand am meisten genannt – wir resümieren: Schweizer Consultants machen sich also in erster Linie nicht selbständig, weil sie zu viel Respekt davor haben, selbst an Projekte zu kommen. Zudem erachten sie ihre eigene fachliche Expertise als zu gering, was mit der Idee einer stetigen Lernkurve, die Consultants nur zu gut kennen, in einem Zusammenhang stehen könnte – es hat sich ja schliesslich nie ausgelernt. Auf jeden Fall zwei wichtige Punkte, welche hier kurz thematisiert werden sollten. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen: Projekte gibt es genug, gerade im Raum DACH, wo ich tätig bin. Vermittlungsplattformen ebenfalls. Während sich Letztere vor allem auf den deutschen Markt konzentrieren, fokussiert sich INDICON ausschliesslich auf den Schweizer Markt.

Solltest du ebenfalls das Gefühl haben, dass sich kurzfristig die Firmenkultur der grossen Beratungshäuser nur marginal oder vielleicht gar nicht zum besseren verändern wird, dann empfehle ich dir eines: Werde deines eigenen Glückes Schmied und nimm das Ruder selbst in die Hand. Eine Firma ist schnell aufgesetzt und die ersten Kunden rasch gefunden über Plattformen wie INDICON. Mehr Infos zum Gründen einer Firma wirst du übrigens in einem meiner kommenden Blogartikeln finden.

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